Presseunterlage Umweltstadträtin Schobesberger zur Pressekonferenz „Linzer Luftgüte und neue Messstellen“


Aktuelle Luftsituation

Unterschiedliche Stickstoffdioxid-Belastungen in Linz
In den vergangenen Jahren macht im Raum Linz – wie in anderen Gebieten Europas auch – die Einhaltung von zwei Grenzwerten Schwierigkeiten, nämlich die Jahresmittelwerte für Stickstoffdioxid (NO2) und die Tagesmittelwerte für Feinstaub (PM10).

Im Raum Linz finden sich bei der Stickstoffdioxid-Belastung unterschiedliche Immissionsniveaus. Relativ niedrige Immissionen – weit unter den Grenzwerten – treten in Bereichen fern des Stadtzentrums auf. Es folgt ein etwa bis zum Grenzwert belasteter Bereich von der Innenstadt bis Kleinmünchen. Hoch belastete Bereiche liegen direkt an stark befahrenen Straßen und hier werden die Grenzwerte deutlich überschritten.

Der Belastungstrend in Linz ist gleich bleibend, an der Station Römerbergtunnel ist er jedoch tendenziell steigend. Als Ursache dafür gilt einerseits der über die Jahre immer stärker werdende Verkehr, andererseits der verstärkte Einsatz von Dieselpartikelfiltern, die zwar eine deutliche Reduzierung des Feinstaubausstoßes bringen, andererseits die Menge an direkt ausgestoßenem Stickstoffdioxid erhöhen.

Sehr gut lässt sich aus der nachfolgenden Tabelle und Grafik erkennen, dass die Messstelle Römerbergtunnel aufgrund ihrer Straßennähe deutlich höhere Immissionskonzentrationen aufweist als die anderen Stationen:

Im nationalen Vergleich zeigt sich wiederum, dass Linz etwa im Mittelfeld der untersuchten Städte liegt:

Verursacher für Stickoxide

Alle Verbrennungsvorgänge sind auch von Stickoxidemissionen begleitet. Es sind dies:

  • Verbrennungsvorgänge im Rahmen von industriellen Prozessen (z.B. Kraftwerke, Kokerei)
  • Verbrennungsvorgänge beim Hausbrand (Gas, Holz, Öl, etc.)
  • Verbrennungsvorgänge in Motoren (Benzin, Diesel), wobei Dieselmotoren in höherem Maße Stickoxide emittieren, da sie keinen Katalysator besitzen.

Daneben gibt es auch noch bei einigen wenigen industriellen Prozessen gewisse Stickoxidemissionen, die direkt ohne Verbrennung emittiert werden (z.B. bei der Salpetersäureproduktion).

Die Stickoxidemissionen setzen sich im Wesentlichen aus zwei Substanzen zusammen, nämlich dem Stickstoffmonoxid (NO), das gesundheitlich nicht besonders relevant ist und dem Stickstoffdioxid (NO2), welches gesundheitlich bedeutsam ist und für das auch Grenzwerte existieren. Wenn auch der größte Anteil an den Stickoxidemissionen das NO ausmacht, so muss doch bedacht werden, dass sich auch dieses NO im Laufe der Zeit in NO2 umwandelt. Es ist dann allerdings bereits auf eine größere Fläche verdünnt.

Neue Messstellen für Linz

Schadstoffe breiten sich ziemlich flächendeckend aus. Um die Größe eines Sanierungsgebietes festzulegen, ist es notwendig, die tatsächliche Ausdehnung jener Bereiche zu kennen, in welchen die Jahresmittelwerte überschritten werden. Das bisher verwendete Messstellennetz reicht nicht aus, um sichere Aussagen über die Verteilung der Stickstoffdioxidimmissionen zu ermöglichen. Zurzeit sind deutliche Überschreitungen gesichert nur an der stark verkehrsbeeinflussten Station Römerbergtunnel gegeben.
In Zusammenarbeit zwischen der Stadt Linz und dem Land Oberösterreich soll nun ein zeitlich befristetes „Sondermessnetz“ aus 20 Messstellen eingerichtet werden. Der momentane Stand des geplanten so genannten Passivsammlernetzes sieht folgendermaßen aus:

Positionierung von Passivsammlern im Innenstadtbereich

Messpunkt Nr. Bezeichnung
1 Station Römerbergtunnel Luftgüteprüfstation – Referenzmessung
2 Station Neue Welt Luftgüteprüfstation – Referenzmessung
3 Station 24er-Turm Luftgüteprüfstation – Referenzmessung
4 Station Stadtpark Luftgüteprüfstation – Referenzmessung
5 Gelände der Postgarage (Hauptbahnhof) Position der ASFINAG-Messtelle
6 Hessenplatz im hinteren Bereichdes Parks (Bereich Schubertstraße) offenes Parkgelände, stark verkehrsbelastet, jedoch ca. 100 m von der Hauptverkehrsachse gelegen
7 Nordico stark befarhener Einbahnstraßenzug, relativ offen bebaut
8 Landhauspark, Promenade ca. 300 m östlich der Messstelle Römerberg
8 Neuer Dom dicht besiedeltes Innenstadtgebiet
10 Gruberstraße, GKK stark befahrene Straße, lockere Randbebauung
11 Kaisegasse Wohnviertel am Rande des Innenstadtbereiches
12 Elisabethstraße, hinter dem Krankenhaus der Elisabethinen stark befahrene städtische Einbahnstraße, direkt verkehrsbelastet
13 Fadingerstraße, im Bereich des Haupteinganges des Krankenhauses der Elisabethinen als Differenzmessung zwischen Straßensituation 12 und Hofsituation
14 Raiffeisenplatz Kreuzung von zwei wichtigen Straßenzügen, offene Bebauung
15 Bereich Kreuzung Goethestraße/Humboldtstraße Kreuzung zweier wichtiger Straßenzüge, enge Randbebauung
16 Wie 15, jedoch Hoflage in Richtung Schillerstraße/Landstraße als Differenzmessung zwischen Straßensituation 16 und Hofsituation
17 Hopfengasse stark befahren, als weitere Messung gegenüber der Station Römerbergtunnel
18 Hof im Dreieck Volksgartenstraße, Karl-Wiser-Straße, Coulinstraße „Kleiner Platz“ mit nennenswertem Verkehr
19 Mozartschule geschlossene Bebauung, Einbahn, stark befahren
20 Kokerei Position ist auf Basis einer Ausbreitungsrechnung noch festzulegen

Feinstaubmessungen in Linz

Die Messstellen ORF-Zentrum (bis 2007), Römerbergtunnel, Neue Welt und Stadtpark (seit 2009) stellten jene Punkte dar, die die höchsten Feinstaubwerte aufweisen. Die Überschreitungshäufigkeiten des PM10-Grenzwertes (Feinstaub) seit dem Jahr 2001 sind aus der folgenden Grafik zu entnehmen:

Die Entwicklung der Überschreitungstage im Jahr 2010 zeigt nachstehende Grafik:

Die Überschreitungen fanden also von Jänner bis April statt.

Feinstaub-Grenzwertüberschreitungen

Der Trend über zehn Jahre zeigt in Linz eine Abnahme der Überschreitungshäufigkeiten an Feinstaub. Die Überschreitungshäufigkeiten in den einzelnen Jahren waren einmal hoch und einmal niedrig. Die Uneinheitlichkeit ist nicht auf stark schwankende Schadstoffausstöße, sondern im Wesentlichen auf die unterschiedlichen meteorologischen Situationen in den einzelnen Jahren zurückzuführen. Die „feinstaubgefährdeten“ Monate liegen fast immer im Winterhalbjahr. Dies ist auf die unterschiedlichen Wetterbedingungen im Sommer und Winter zurückzuführen. Im Winter sind die Durchmischungsbedingungen deutlich schlechter als im Sommer.

Entsprechend dem österreichischen Immissionsschutzgesetz-Luft (IG-L) wurde im Jahr 2005 der Grenzwert für die Anzahl der erlaubten Überschreitungstage von 35 auf 30 Tage pro Jahr herabgesetzt. Ab 2010 tritt in Österreich eine zusätzliche Verschärfung dieses Grenzwertes in Kraft, es werden dann nur mehr 25 Überschreitungstage pro Jahr erlaubt sein. Diese Verschärfung bedeutet für Linz, dass selbst bei einem weiteren Rückgang der Überschreitungstage gegenüber der derzeitigen Situation die gesetzlichen Vorgaben voraussichtlich auch künftig kaum eingehalten werden können. Im Gegensatz zum IG-L ist in den geltenden EU-Vorschriften eine Verschärfung der erlaubten 35 Überschreitungstage pro Jahr nicht vorgesehen.

Internationaler Vergleich

Vergleicht man die Anzahl der Überschreitungstage in Linz mit jenen anderer österreichischer und internationaler Städte, so zeigt sich, dass Linz im guten Mittelfeld liegt. Es gibt aber auch Städte, die extrem hohe Überschreitungsäufigkeiten aufweisen:

Internationaler Städtevergleich: Anzahl der Tage mit Überschreitungen des PM10-Tagesmittelwertes von 50 µg/m³ an der höchstbelasteten Messstelle

Linzer Luftgüte

Die Messung des Gehaltes an Luftschadstoffen in der Atmosphäre in Luftgütemessnetzen stellt mittlerweile den Standard in der Luftreinhaltung dar. Die gemessenen Werte werden mit Grenzwerten in Beziehung gesetzt, welche in unterschiedlichen Regelwerken definiert sind. Für die Schadstoffe Feinstaub und Stickstoffdioxid existieren EU-Grenzwerte und Grenzwerte im österreichischen Immissionsschutzgesetz-Luft (IG-L).

In Österreich sind die Grenzwerte für Stickstoffdioxid im Immissionsschutzgesetz-Luft schärfer formuliert als EU-weit. Die Grenzwerte für den Tagesmittelwert für Feinstaub (PM10) sind gleich. Die erlaubten Überschreitungshäufigkeiten des Grenzwertes im Tagesmittel sind im IG-L deutlich strenger festgelegt.

Es ist zu erwarten, dass im Rahmen einer Novellierung des IG-L die Grenzwerte an die EU-Richtlinien angeglichen werden.

Internationaler Luftgütevergleich

Im rein österreichischen Vergleich positionierte sich Linz bei der Luftgüte im Mittelfeld, international liegt die Landeshauptstadt im europäischen Spitzenfeld.
Vergleich 2008 bei den drei Hauptschadstoffkomponenten Schwefeldioxid (SO2), Feinstaub (PM10) und Stickstoffdioxid (NO2) im Detail:

Maßnahmen zur Verbesserung der Luftgüte

Im heurigen Herbst will das Land Oberösterreich ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Luftqualität verordnen. Die Stadt Linz ist eingeladen, ihre Vorschläge, adaptiert auf die Situation in Linz, einzubringen. Umweltreferentin Mag.a Eva Schobesberger lässt derzeit vom Umwelt- und Technik-Center der Stadt Linz geeignete Vorschläge erarbeiten.

(Informationsunterlage für Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger zur Pressekonferenz „Linzer Luftgüte und neue Messstellen“)

Ergänzende Informationen (pdf)


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