Offener Brief an Bundesminister Berlakovich


An Hrn.
Bundesminister
DI Nikolaus Berlakovich
c/o Bundesministerium für Land- und
Forstwirtschaft, für Umwelt und Wasserwirtschaft
Fax 01 71100-2140

Betrifft: „Linzer Westring-Transitautobahn A26“

Sehr geehrter Herr Minister Berlakovich,

wir haben Ihr Interview in der Zeitung Österreich vom 18.12.2008 zum Thema: Umweltminister will „nationalen Kraftakt für Klimaschutz“ mit großer Freude gelesen.

In dem Artikel wird auch speziell auf den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und auch darauf, dass die Klimaschutzziele in Wahrheit eine Überlebensfrage sind, eingegangen, weil wir unsere Lebensqualität für die nächsten Generationen sichern müssen. Unter anderem wollen Sie die Österreicher zu mehr Klimaschutz anspornen.

Zurzeit laufen in Linz Planungen bzw. bereits die Umweltverträglichkeitsprüfung für die „Westring-Autobahn“, die als 4-spurige Transitautobahn samt 7-spuriger Donaubrücke geplant ist. Zusammen mit der bestehenden Autobahn würden dann 8 (!!) Autobahnspuren mitten durch Linz führen! Wir sind eine große Anzahl von sehr besorgten Bürgern, die Angst vor dieser Transitautobahn haben und Sie daher, sehr geehrter Herr Umweltminister, um Ihre intensive Unterstützung ersuchen.

In Zeiten wie diesen – wo das Thema Klimaschutz an oberster Stelle steht, Gott sei Dank auch bei Ihnen – kann man doch keine Transitautobahn mehr bauen. Das ergibt gewaltige Probleme für die nächsten Jahrzehnte.
Können wir das noch verantworten, können wir das unseren Kindern noch zumuten? Der Verkehr wird über das Wohl der Bürger und Kinder gestellt – wo bleibt die Lebensqualität für die nächsten Generationen?
Ursprünglich war eine 4. Donaubrücke als Lösung für den Pendlerverkehr geplant. Doch da sich Land und Stadt diese Variante nicht leisten konnten, wurde das Thema der Asfinag zugespielt (die übrigens bereits maßlos überschuldet ist und durch dieses geplante Projekt noch mehr überschuldet wird). Jetzt ist eine Autobahn – eine Transitautobahn – 4-spurig geplant – das ist doch keine Pendlerlösung !!

Sehr geehrter Herr Minister Berlakovich, die jetzigen Verhandlungen bieten die Chance und Verpflichtung, Fehlentscheidungen früherer Regierungen zu revidieren und neue Wege zu beschreiten. Bitte unterstützen Sie uns !
Das Projekt Westring – Transitautobahn A26 muss unverzüglich von der Prioritätenliste der Infrastrukturprojekte gestrichen werden! Dieses Projekt gefährdet durch die CO2- und Feinstaubemissionen die Industriearbeitsplätze in Linz und führt zu einer weiteren Verschlechterung der Luftverhältnisse in Linz (extreme Feinstaubbelastung und laufende Überschreitungen).
Der Parlamentsbeschluss für die Westring-Autobahn im Jahre 2002 basiert auf geplanten Kosten von 225 Mio. €. Der Beschluss beruhte schon damals auf falschen Kostenschätzungen. Mittlerweile wird sogar von Seiten der Asfinag von mindestens EUR 800 Millionen ausgegangen. Nach Schätzungen der Plattform sind Baukosten von 1.000 Millionen € zu erwarten. Sowohl
beim Bau, als auch in der Erhaltung stellt die A26 das teuerste Autobahnstück Europas dar. Alleine um die jährlichen Erhaltungskosten könnten 40.000 ÖPNV Jahreskarten an sozial schwächere PendlerInnen verschenkt werden. So eine soziale Maßnahme würde die Strassen mit einem Schlag deutlich für den nötigen Wirtschaftsverkehr entlasten.

Im Zuge dieses Projektes werden auch wertvollste Naturschutzgebiete irreversibel zerstört. Obwohl das naturschutzbehördliche Verfahren sogar für Probebohrungen „eindeutig negativ“ war, wurde dies von der Stadt ignoriert.
Die „Kulturhauptsstadt Europas“ genehmigt die völlige Zerstörung der einzigartigen „Linzer Donaupforte“!
Sehr geehrter Herr Minister wir freuen uns, dass Sie für den Ausbau des öffentlichen Verkehr eintreten wollen und rechnen daher mit Ihrer vollen Unterstützung gegen dieses Wahnsinnsprojekt.
Eine Transitautobahn mitten durch eine Stadt darf nicht genehmigt werden. Unsere Kinder würden nie verstehen warum man dieses Projekt in der heutigen Zeit noch bewilligen konnte.

Die Welt gehört nicht uns – wir haben sie nur geliehen ! Wir sind den nachkommenden Generationen verpflichtet für die Umwelt zu sorgen.
Sehr geehrter Herr Minister Berlakovich wir hoffen sehr und erwarten Ihre Unterstützung in dieser Angelegenheit.

Vielen Dank und viel Erfolg in der Zukunft zur Durchsetzung Ihrer Ziele.
Wir bitten um Ihre geschätzte Rückantwort.

Mit vorzüglicher Hochachtung
Dr. Alfred Jaeger
Dr. Rupert Frechinger
Sprecher der überparteilichen Plattform

  1. Bisher keine Kommentare.
(wird nicht veröffentlicht)